Die Geschichte der Baureihe W123
 
    Die tiefgreifendste technische Änderung erfuhr der W123 mit dem Einsatz zweier neuer Vierzylinder-Benzinmotoren im Jahre 1980, welche die hoffnungslos veralteten, noch auf Konstruktionen aus den frühen 50er Jahren basierenden Vergasermotoren vom Typ M115 ablösten. Mit diesen sparsamen und durchzugstarken Motoren gelang es Daimler-Benz nun erst recht aus der Baureihe W123 ein Erfolgsmodell zu machen. Gerade der 230E konnte sich - trotz zwei Zylindern weniger - gegen den Hauptkonkurrenten, den BMW 525 durchsetzen. Allerdings gelang es nicht, die Baureihe gegen Ende der Laufzeit von dem etwas altbackenen Image befreien. Hier sind die Ingenieure von Daimler-Benz sicher zu zaghaft vorgegangen. Ein vernünftiges "Facelift" nach der Hälfte der Bauzeit sowie etwas weniger Ignoranz gegenüber den allgemein bekannten Nachteilen des Modells wie dem wenig dynamischen Fahrverhalten wegen der schmalen Serienbereifung, zu kurzer Hinterachsübersetzung, einem in der Schaltqualität bescheidenem und außerdem zu spät angebotenem 5-Gang-Getriebe, hätten dem W123 in den frühen 80er Jahren sicher zu einem größeren Vorsprung gegenüber seinen Mitbewerbern verholfen. Auch die letzte Modellpflege im Herbst 1982 konnte nicht verhindern, daß nach Erscheinen des W201 Ende des gleichen Jahres, die Verkaufszahlen bereits 1983 um 20% fielen. Auch die Konkurrenz stellte in dieser Zeit neue, moderner gestaltete Fahrzeuge vor, so daß die W123Modelle zunehmend "alt" aussahen. Und zudem kursierten in den Autozeitschriften schon die erstenErlkönig-Bilder des Nachfolgers, auf den nun bald alle Welt wartete.  
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  Ende 1984 wurde schließlich die Limousine der Nachfolgebaureihe W124 vorgestellt, die vom Design (und anfänglich auch leider bei der schlechten Qualität) einen Quantensprung darstellte. Plötzlich trauerten viele Mercedes-Kunden dem am Ende seiner Karriere doch nicht mehr so sehr beliebten W123 nach, weil dieser viel mehr die Tradition der Marke mit dem Stern verkörperte als der nüchtern gestylte W124. Die anfänglichen Qualitätsmängel des neuen Modells verdarben manchem stolzen Neuwagenbesitzer den Spaß an seinem Wagen - hierbei ist vor allem das Taxigewerbe zu erwähnen,das sogar große Protestaktionen vor der Firmenzentrale organisierte. So fand diese Mittelklassebaureihevon Mercedes-Benz erst Ende der 80er Jahre zu der bislang gewohnten Solidität zurück. Ungeachtet dessen lief der "alte" W123 in einigen Ausführungen noch bis Anfang 1986 vom Band, bis die Produktion endgültig eingestellt wurde.