Die 280E für den Rallyeeinsatz

Teil 2: Einsatzgeschichte

Rallye London-Sydney 1977

Bestens gerüstet gingen die Mercedes-Fahrer am 14.8.77 an den Start. Außer der Vorbereitung der Fahrzeuge hatte Mercedes auch die Erkundung der Strecke auf sich genommen und mit Starfahrer Achim Warmbold einen fast vollständigen Aufschrieb erstellt. Eben dieser Achim Warmbold war mit seinem Beifahrer Jean Todt und Mechaniker Hans Willemsen der erklärte Favorit der Rallye. Doch als am Fahrzeug mit der Startnummer 37 in Persien ein Stoßdämpfer brach, fuhr Warmbold ungerührt weiter. Weniger ungerührt zeigte sich eine Antriebswelle, die in der Folge aufgrund der ausufernden Bewegungen brach und dabei eine Benzinleitung zerstörte. Willemsens Reparatur ging daneben, und so schied Warmbold aus - in Führung liegend.
Somit bestimmten andere den Verlauf der Rallye, darunter Sobieslaw Zasada im Porsche 911, Anthony Fowkes im schwarzen 280E mit der Nummer 49 und Andrew Cowan im 280E mit der Startnummer 33. Zasada konnte als einziger mit dem Mercedes-Express wirklich mithalten, verlor die Führung aber, nachdem er sich verfahren hatte. Nach einem Aufhängungsbruch am Porsche waren alle Chancen verflogen. Fowkes war es, der Zasada den ersten Rang abnahm und ihn bis Australien verteidigte. Jedoch konnte Andrew Cowan auf dem Fünften Kontinent - trotz eines beinahe fatalen Zusammenpralls mit einem Känguruh - richtig aufdrehen und tauschte mit dem zunehmend müden Fowkes noch die Plätze.
So konnten die 5000 Menschen im Ziel an der Sydney Opera am 28.9.77 einen Doppelsieg von Mercedes bejubeln, der durch die guten Plätze der Teams Kling / Kaiser (Rang 6) und Kleint / Klapproth ( 8.) abgerundet wurde.
Diesem Triumph konnte sich der distinguierte Vorstand des Konzerns nun nicht mehr verschließen; bei einer Feierstunde wurden den erfolgreichen Fahrern goldene Mercedes-Nadeln mit Brillianten verliehen. Dr. Joachim Zahn, damals Vorstandsvorsitzender der Daimler-Denz AG, unterstrich: "Obwohl Daimler-Benz seit Anfang der sechziger Jahre im Motorsport nicht mehr aktiv ist, gehört es zu den Grundsätzen der Stuttgarter, jenen privaten Bewerbern zu helfen, die sich mit Mercedes-Benz Produkten an Wettbewerben beteiligen".
Auch Vater und Sohn Wong (die Neuwagenüberführer) hatten übrigens Sydney erreicht und wurden auf der Feierstunde begrüßt. Als einziger Defekt an ihrem 300D war auf den 30000 km der Rallye lediglich eine Biluxlampe zu beklagen.

Die Mercedes-Ergebnisse im Einzelnen:

1. Andrew Cowan / Colin Malkin / Mike Broad, 280E, Startnummer 33, Amtl. Kennzeichen ULL772R (GB)

2. Anthony Fowkes / Peter O´Gorman, 280E, Startnummer 49, Amtl. Kennzeichen SPG679R (GB)

6. Alfred Kling / Klaus Kaiser / Jörg Leininger, 280E, Startnummer 59, Amtl. Kennzeichen CW-XD 70

8. Herbert-Ernst Kleint / Günther Klapproth / Harry Vormbruck, 280E, Startnummer 27, Amtl. Kennzeichen S-DA 7168

Ausfälle:
- Achim Warmbold / Jean Todt / Hans Willemsen, 280E, Startnummer 37, Amtl. Kennzeichen M-MP 3132 (Hinterachse, Folgeschaden Kraftstoffanlage)
- Mauch / Dolhem, 280E, Startnummer 80 (Hinterachse)


East African Safari 1978 (3. Rennen der FIA-WM) vom 23.-27.3.1978

Auf dem Weg von Nairobi nach Nairobi waren 5016 km in 75 Sonderprüfungen zurückzulegen. Vier Teams traten mit im Werk vorbereiteten 280E an, die anhand der bei London-Sydney gemachten Erfahrungen präpariert waren. Von 69 gestarteten Teams erreichten nur 13 letztendlich das Ziel, und auch Mercedes blieb nicht verschont: gleich 3 Autos fielen aus.
Für erhebliche Schwierigkeiten sorgten dabei starke Regenfälle, die die Strecken in Schlammwüsten verwandelten.
Einzige erfolgreiche Teilnehmer im Mercedes waren mit der Startnummer 18 Sobieslaw Zasada / Blazej Krupa auf Gesamtrang 6, in der Wertung für Fahrzeuge der Gruppe 2 belegten sie Rang 2.

Die restlichen Ergebnisse lesen sich weniger erfreulich:

Joginder Singh / David Doig, Ausfall (Motorschaden nach Wasserschlag)
Andrew Cowan / Johnstone Syer, Ausfall (Motorschaden nach Wasserschlag)
Tony Fowkes / Klaus Kaiser, Ausfall (Ölwanne)


Vuelta America del Sud 1978 vom 17.8.-24.9.1978

Diese vom Automobilclub Argentiniens organisierte Rundreise durch 10 Länder in Südamerika erstreckte sich über 39 Renntage. Zurückzulegen waren dabei 30000 km in einer Schleife rund um Südamerika, hauptsächlich in Argentinien, Paraguay und Brasilien, mit überaus sportlich ausgelegten Sollzeiten. Ein sehr passendes Betätigungsfeld für die Mercedes also, denn Waxenberger sah realistische Siegchancen für die großen und schweren Autos eher bei Lang- als bei Kurzstreckenrennen.
Start war am 17.8.1978 in Buenos Aires, angetreten waren 57 Fahrzeuge der Gruppe 1, davon gleich acht Teams von Mercedes. In den vier W123 280E waren unterwegs: Tony Fowkes, Herbert Kleint, Albert Pfuhl und der Argentinier "Pilo" Caballero. Parallel dazu waren vier 450 SLC gemeldet, welche von Timo Makinen, Sobieslaw Zasada (welcher die Rallye London-Sydney in seinem Porsche zeitweise angeführt hatte), Andrew Cowan und José Araujo bewegt wurden.
Die Rallye erwies sich als extrem hart, in Caracas waren nach einem Drittel der zurückzulegenden Strecke bereits 50% der Teilnehmer ausgefallen. Legendär wurde die 12 Kilometer lange Schlammpassage, die die Fahrzeuge nur mit Hilfe eines Schleppers überwinden konnten. Hartnäckig hielten sich Erzählungen, dass Mercedes mit Hilfe von Helikoptern seine Fahrzeuge über diesen Teil der Strecke schweben ließ. Eine Legende, zumal die Rallye an diesem Tag ohnehin neutralisiert wurde und Mercedes daraus keinen Vorteil hätte ziehen können.
Nur 22 Fahrzeuge, davon sieben der acht Mercedes, erreichten am 24.9.78 das Ziel im Autodromo Oscar Galvez de Buenos Aires. Erster wurde Andrew Cowan im 450 SLC, zweiter der Pole Zasada, ebenfalls im 107er Coupé. Auch die Plätze 3 bis 5, sowie 8 und 9 gingen an Mercedes.

Die Mercedes-Ergebnisse im Einzelnen:

1. Andrew Cowan, 450 SLC
2. Sobieslaw Zasada, 450 SLC

3. Tony Fowkes, 280E
4. Timo Mäkinen, 450 SLC
5. Herbert Kleint, 280E
8. Albert Pfuhl, 280E
9. Pilo Caballero, 280E

Ausfall: José Araujo, 450 SLC


East African Safari 1979 (4. Rennen der FIA-WM) vom 12.-16.4.1979

Auch 1979 nahm Mercedes-Benz an der Safari teil, jedoch statt mit vier nun mit sechs Fahrzeugen, von denen je drei 280E und 450SLC 5.0 waren.
Zurückzulegen waren vom 12.-16.4.79 5027,5 km mit 82 Sonderprüfungen, welche 3 Schleifen (jeweils von Nairobi nach Nairobi) durch Wüste und Urwald beschrieben. Echte Mammutetappen standen an, die erste Schleife war dabei mit 1961 km und 35 Zeitkontrollen die längste, die weiteren umfassten 1697 km (24 Zeitkontrollen) und 1373 km (23 Zeitkontrollen). Auch der Jahrgang 79 der Safari war ein durchaus selektiver, nur 21 der angetretenen 66 Teams erreichten das Ziel. Auch zwei der drei 280E überlebten und kamen auf die Plätze 4 und 11.


Die Mercedes-Ergebnisse im Einzelnen:

2. Hannu Mikkola /Arne Hertz, 450 SLC 5.0 (trotz beschädigtem Kühler!)
4. Andrew Cowan / Johnstone Syer, 280E (nur 21 sec. hinter Mikkola)
6. Jan Waldegaard / Hans Thorszelins, 450 SLC 5.0
11. Joginder Singh / David Doig, 280E

Ausfälle: Sobieslaw Zasada / Blazej Krupa, 280E (Differential)
Vic Preston Jr. / John Lyall, 450 SLC 5.0 (Hinterachse)

Die Safari 79 war trotz der guten Ergebnisse der letzte Einsatz der Limousinen im Rallyesport, bereits bei der Rallye du Bandama 1979 waren ausschließlich 450 SLC 5.0 im Einsatz.

Erhalten geblieben sind die beiden Siegerautos der Rallye. Der schwarz-weiß lackierte Wagen von Cowan ist inzwischen durch die Auftritte bei den Classic Days 2003 in Fellbach, auf dem Jahrestreffen 2003 des W123-Clubs und auf dem Stand des W123-Clubs bei den Retro Classics in Stuttgart Anfang 2004 recht bekannt. Die Nummer 49, das komplett schwarze Auto von Tony Fowkes, hatte um den Jahreswechsel 2002/2003 den Platz des Autos des Monats im Museum im Werk Untertürkheim inne. Beide Fahrzeuge waren bis zur Eröffnung des neues Mercedes-Benz Museums nicht öffentlich zugänglich in den "Heiligen Hallen" in Fellbach untergebracht. Cowans Siegerfahrzeug ist seit 2006 in der Rennsportetage des Museums zu besichtigen.

Text: © Michael Liesch, Aufnahmen: © Archiv, M. Liesch